Der Schreibclub

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Der Schreibclub Wir lieben den spontanen Bürgerschreck, die Schlachtung des gemästeten Leistungsschweins, die unerhörte Kolossalität der Chance. Doch noch ist es nicht soweit.

Wer wir sind: Wir sind die, die nicht lange fackeln, die lieber schreiben, statt nur zu reden, die ihre Ideen auf Servietten schmieren, auf Einkaufslisten und Beipackzettel, auf unbezahlte Rechnungen und ungewaschene Handrücken, die solange herumfeilen und -fuhrwerken, bis alles sitzt, bis wir selbst plötzlich sitzen, und zwar an deinem Nebentisch – und dann hauen wir dir alles um die Ohren. Was wir wollen: Wir wollen uns Mut machen, statt uns schlechtzumachen, wir wollen uns anregen statt uns immer nur aufzuregen, wir wollen solidarisch sein und nicht solipsistisch, wir wollen inspirieren und transpirieren statt imitieren und transkribieren, bis die, die es nie kapieren, am heftigsten orgasmieren. Woher wir kommen: Wir kommen von dort, wo die Einbildungskraft regiert, weil sie die Einbildung vom Thron gestoßen hat, wo das Pathos echt ist und die Farben bunt, wo die Wendungen dramatisch sind und die Abgründe tief, wo die Zoten noch zotig und die Träume noch traumhaft sind. Wohin wir gehen: Wir gehen in den Bauch des Walfischs, in das Herz der Finsternis, in das Auge des Sturms, in die brüllende Schlacht, in den feurigen Schlund – und dort essen wir ein Eis. Wen wir lieben: Wir lieben die Muse, die uns um den Verstand bringt, den fiebrigen Schub, der uns den Schlaf raubt, die zündende Idee, die uns Feuer unterm A***h macht, wir lieben die wirbelnden Wortkasakaden, die sich über uns ergießen, wir lieben die Ironie als eine Form des Idealismus, den Zyniker als Romantiker und die innere Zerrissenheit, wir lieben den radikalen Bruch, der gerade dort ausbleibt, wo man ihn erwartet. Wen wir hassen: Wir hassen schreibende Selbstdarsteller und lesende Lackaffen, Dichterfürsten, die sich selbst die Krone aufsetzen und so genannte literarische Autoritäten, die über andere richten, aber immer nur sich selbst meinen; wir hassen alles Prätentiöse – die schwere, getragene Prosa, die unter der Last ihrer eigenen Gedanken zusammenkracht, die aufgeblähte Befindlichkeitslyrik, die Größe behauptet und doch nur kleinkariert ist, die jammerlappige Larmoyanz, die an sich und der Welt zu leiden vorgibt, aber weder sich noch die Welt verändern will, wir hassen die Kunsthandwerker und Techniker, die schreiben mit Maschinschreiben verwechseln, die in ihrer Schreibwerkstatt schwitzen und Verse schmieden, mit Maßband und Laubsäge, mit Lötkolben und Kabelbinder, mit ihrem Authentizitätsfimmel und ihrer Faktenhuberei; wir hassen die Spezialisten, die fürs Schreiben eine Ausbildung, eine Lizenz und einen Grund verlangen, die Blender, deren Selbstbewusstsein umso größer ist, je weniger es sich rechtfertigen lässt, die glänzenden Oberflächen, hinter denen sich das blanke Nichts auftut; wir hassen die Selbstzufriedenen und Satten, die Heiteren und Maßvollen, die fein ziselierten Zuckerbäcker, die alles auslachen, was sie nicht verstehen. Wen wir bewundern: Wir bewundern die Idealisten und Utopisten, die Kinder und die Narren, die Unmäßigen und Unvernünftigen, die Unsicheren und Unschuldigen, die Unangepassten und Unbequemen, die Unzufriedenen und Unentwegten, die, die nicht um jeden Preis cool sein wollen – und es gerade deshalb sind, die, die sich von niemandem vorschreiben lassen – am wenigsten von sich selbst – die, die auch das wollen, was sie angeblich nicht können und dürfen; wir bewundern das Larger Than Life, das Anything Goes, das Do It Yourself – und das Einfachdraufgeschissen. Wen wir verachten: Wir verachten langweilige Lesebühnen und kleingeistiges Konkurrenzdenken, provinzielle Beschränktheit und vorauseilenden Gehorsam, falschen Traditionalismus und echte Freunderlwirtschaft; wir verachten literarische Männerbündler und Vereinsmeier, die ihre gestrigen Gartenzwerge und gedrechselten Gedichtlein im Schrebergarten ihrer eigenen Borniertheit zur Schau stellen und ihre überzüchteten Zwergpudel und Pitbulls am geistigen Innufer spazieren führen. Wie wir schreiben: Wir schreiben simultan – hellwach und verträumt, lieblich und finster, logisch und verwirrend, übersichtlich und labyrinthisch, ehrlich und geflunkert, erfrischend und erschöpfend, heißgekocht und eisgekühlt, kristallklar und naturtrüb, facettenreich und monoton, nüchtern und berauscht, harmlos und toxisch, weinselig und bierernst, liebevoll und gewalttätig, einfühlsam und verständnislos, sehnsuchtsvoll und desinteressiert, leidenschaftlich und gefühlsarm, vordergründig und hinterhältig, durchgeistigt und körperbetont, himmlisch und luziferisch, klassisch und modern, romanisch und gotisch, barock und … schnörkellos, menschlich und maschinenhaft, naiv und berechnend, ätherisch und derb, wuchtig und zart, erhaben und respektlos, niedlich und krass, geil und frigide, anziehend und ausziehend, stubenrein und straßenköterhaft, magnetisch und abstoßend, knisternd und prickelnd, unmäßig und unflätig, hart, aber herzlich, komisch und koSmisch. Wie wir ticken: Wir ticken wie der lustige kleine Wecker im Kinderzimmer, der mit seinen herzigen roten Ohren wackelt – und in Wahrheit eine Bombe ist. Wofür wir leben: Wir leben für den Sinn in der Sinnlosigkeit, für die Magie hinter der Realität, für die grenzenlose Illusion, für die kostbaren Sekunden zwischen Blitz und Donner, für den Geruch von frischem Erdreich im Frühjahr, für den einen Moment, in dem die Zeit keine objektive Größe mehr ist. Wofür wir sterben: Wir sterben für das Gefühl der Leichtigkeit, wenn alles geschafft ist – der Satz, der Text, das Leben. Was uns antörnt: Die schönen, drallen, saftig-feisten, welthaltigen Wörter, die vor dem inneren Auge einen ganzen Film ablaufen lassen – geschrieben, gedreht und produziert in einer einzigen ewigen Sekunde. Was uns runterzieht: Die Trägheit im Kopf, das Blei in den Gliedern, das Graue im Grauen, das Dumpfe im Stumpfen, die Pragmatiker und die Praktiker, die Desillusionierten und Abgeklärten, die Schwerkraft der Vernunft. Was wir hoffen: Wir hoffen auf Halluzination und Hypnose, auf die plötzliche Begeisterung und die euphorische Energie, auf die traumwandlerische Sicherheit, wenn auf einmal alles von selbst geht, auf die blase, die niemals platzt. Was wir fürchten: Wir fürchten das Versiegen der Quelle, das große Vergessen, den irreversiblen Datenverlust, den Zwang, den wir uns auferlegen, das weiße Blatt in uns selbst; Wir fürchten den Moment, in dem uns nichts mehr überraschen kann, das „I´ve seen it all“, die totale Übersättigung, die völlige Abstumpfung, die absolute Lustlosigkeit, das Abfinden mit der Realität, das Ende der Utopie. Was uns den Atem nimmt: Die heiße Luft um uns herum, die plötzlich implodiert, der frische Wind, der uns mit einem mal umbraust, uns durchweht und erfrischt, Der große Zerstäuber, den wir selbst entfesselt haben, der uns umwirft und uns mit sich davon trägt – mit unbekanntem Ziel. Was wir fordern: Der Schreibclub muss sich immer weiterdrehen. Eines Tages wird er stehen bleiben, wird sich aus seiner Umlaufbahn lösen und in die Sonne fallen. (II. Schreibclub'sches Manifest)

War es nur die Hitze - oder war da plötzlich ein Schaf mit Surfbrett?
20/08/2024

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Neuer Trend? Durchaus aufwändig gestaltete Botschaften am Berg
05/08/2024

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Alles da, was man zum Leben braucht: Waschmittel, Drogen und Segen von oben!
02/08/2024

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Muss die Literaturgeschichte neu geschrieben werden? Offenbar hat sich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gar nicht in Berlin ...
31/07/2024

Muss die Literaturgeschichte neu geschrieben werden? Offenbar hat sich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gar nicht in Berlin zugetragen, sondern im mächtigen Bichlbach-Berwang.

Und statt Christiane F. kann die wahre Protagonistin wohl nur Nici "Die Bichlbacherin" H. heißen ...

Gesprengt oder gestochen - ungeschoren kommt hier keiner ungeschoren davon ...
14/07/2024

Gesprengt oder gestochen - ungeschoren kommt hier keiner ungeschoren davon ...

Hermes und die Nasenrammel: Als geflügelter Götterbote und listenreicher König der Diebe zählt Hermes zu den beliebteste...
21/05/2022

Hermes und die Nasenrammel: Als geflügelter Götterbote und listenreicher König der Diebe zählt Hermes zu den beliebtesten Göttern im Olymp.

Weniger bekannt ist, dass Hermes auch ein notorischer Nasenbohrer war, womit er einmal sogar den Zorn des mächtigen Zeus auf sich zog. Denn Hermes ließ es sich nicht nehmen, auch bei den unpassendsten Gelegenheiten nach Nasenrammeln zu forschen.

Sogar beim großen Brunch anlässlich des 100. Geburtstages von Zeus förderte er am Esstisch einen P***l nach dem anderen zu Tage.

Da packte den Göttervater der Zorn: Er belegte seinen ungezogenen Sohn mit einem schrecklichen Fluch: Jedes Mal, wenn er sich mit dem Finger seiner Nase näherte, wurde Hermes von einem von Zeus' Blitzen getroffen.

So gewöhnte er sich die Unart irgendwann doch noch ab ⚡️

Muriel, der kleine Gänsewürger: Im 5. Jahrhundert vor Christus wurde ganz Jericho von einer diabolischen Gans heimgesuch...
17/04/2022

Muriel, der kleine Gänsewürger: Im 5. Jahrhundert vor Christus wurde ganz Jericho von einer diabolischen Gans heimgesucht, die der Teufel selbst geschickt hatte.

Die Gans schnatterte unflätig, verführte die Menschen zur Unzucht und besudelte die Stufen des Tempels mit ihrem Kot 💩

Also sandte der Herrgott seinen tapfersten Engel Muriel auf die Erde, um das dämonische Federvieh zu bändigen. "Lass ab von deinen gänsischen Teufeleien!", rief er, nachdem er sie gestellt hatte. Doch die Gans schnatterte nur noch lauter, schürzte ihren Bürzel und defäkierte ihm vor die Füße.

Also nahm Muriel die Teufelsente in die Mangel und würgte sie so lange, bis er die ganze böse Galle aus ihr herausgequetscht hatte.

Von da an war die Gans wie ausgewechselt: Sie ließ ab von ihrem frevelhaften Geschnatter und wurde zum strahlenden Vorbild an Sittsamkeit und Tugend 👌

Der Ritter mit der Schweinernen Maske: Rosige Bäckchen, semmelblonde Löckchen, eine zierliche Stupsnase und nicht einmal...
31/03/2022

Der Ritter mit der Schweinernen Maske: Rosige Bäckchen, semmelblonde Löckchen, eine zierliche Stupsnase und nicht einmal ein zarter Flaum auf der Oberlippe:

Obwohl Ritter Hadubrand ein tapferer Recke war und schon so manchen Strauß ausgefochten hatte, nahmen ihn seine Ritterkollegen irgendwie nicht ernst 👼

Sie kniffen ihn in die Wangen, tätschelten ihm den Bubikopf und verspotteten ihn als Ritter Hosenmatz. Dass er manchen von ihnen vor Wut erschlug, tat ihrer Häme keinen Abbruch.

Irgendwann hatte Hadubrand die Faxen dicke und beauftragte seinen Schmied und Waffenmeister, den schaurigsten Helm zu fertigen, den die Welt je gesehe hatte.

Und wie schaurig dieser Helm war! Wo immer Hadubrand auftrat, verbreitete er nackte Panik und war seitdem landauf landab gefürchtet - als der Ritter mit der Schweinernen Maske 🐽

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